Fränkische Landeszeitung vom 15.06.2023

Zwei Krimiautoren erzählen über ihre Arbeit

Mit Kristina Hauff und Tommie Goerz begann die neue Reihe „Blickwinkel 360°" – Sie verbindet Literatur und Recht.

ANSBACH – Mit einem populären Genre startete am Dienstagabend die neue Ver-anstaltungsreihe „Blickwinkel 360°": dem Kriminalroman. Die beiden Erfolgsautoren Kristina Hauff und Tommie Goerz gaben in der Feuerbach Akademie Auskunft über ihre Arbeit und präsentierten Textproben.

„Wir verbinden mit diesem neuen Leseformat die beiden Themenfelder Recht und Literatur", erklärte Bettina Baumann Wortkunstvorsitzende und Leiterin von Literaturveranstaltungen in Ansbach.
Für die juristische Seite steht Dr. Malte Schwertmann, der Vorsitzende der Feuerbach Akademie. Ihr Namensgeber, Paul Johann Anselm von Feuerbach, war nicht nur der Verfasser des Strafgesetzbuches für das Königreich von Bayern und Präsident des Appellationsgerichts in Ansbach, sondern verfasste seinerzeit Doku-Sammlungen über „Merkwürdige Verbrechen" – ein Vorreiter der Sparte True-Crime.
Mit Kristina Hauff und Tommie Goerz haben die Veranstalter zwei Autoren eingela-den, die nicht nur auf ihrem Gebiet sehr erfolgreich sind, sondern weit über das gängige Format dieser Gattung hinausgehen. Längst stehen bei ihren Büchern nicht mehr das reine Verbrechen und die Ermittlungsarbeit der Polizei im Vordergrund, sondern vielmehr die menschlichen Abgründe, die zum Verbrechen führen.
Erstaunt stellen die beiden Autoren an diesem Abend fest, dass sie bei aller Unter-schiedlichkeit ihrer Arbeitsweise und Bücher doch so einiges gemein haben.
Beide wollen vor allem die Grenzen sprengen, die ihnen durch das Format Krimi vorgegeben sind. Keine Schubladen mehr, sondern vielmehr die Möglichkeiten nutzen, die sich im Umfeld von kriminellen Vorgängen ergeben.

„Mich interessiert vor allem das Geheimnis, das, was sich hinter den Masken und Fassaden meiner Helden verbirgt", sagt Kristina Hauff. Ganz deutlich wird dies in ihrem jüngsten Werk „In blaukalter Tiefe", aus dem sie einen kurzen Auszug vor-trägt.
Auf dem engen Raum eines Segelbootes entwickelt sich zwischen zwei Paaren ein Höchstmaß an Spannung, noch gesteigert durch einen undurchsichtigen Skipper. Zugespitzt wird dies durch das Verhältnis der beiden Männer, zwei Juristen, als Chef und Angestelltem. Kristina Hauff stützt sich bei ihren Schilderungen auf persönliche Erfahrungen. Sie ist verheiratet mit einem Richter, und selbst passionierte Seglerin.
Ebenfalls aus dem eigenen Erfahrungsfeld nähren sich die Geschichten von Tommie Goerz. Besonders in seinen jüngsten Werken hat er sich immer weiter von dem entfernt, was sich allgemein als „Regionalkrimi" etabliert hat. Eine Literaturform, die es seiner Ansicht nach überhaupt nicht gibt, „denn jeder Krimi spielt an einem bestimmten Ort".
Bei Goerz ist es oft der ländliche Raum, abgeschiedene Ecken in der Fränkischen Schweiz etwa, mit Figuren, die ein eher karges, tristes Leben fristen. In seinem jüngstem Werk, „Im Tal", wir das Leben eines 73-jährigen Bauern, der von einem Wanderer tot in seinem Hof aufgefunden wird, von hinten aufgerollt. Das Besonde-re: Anfang und Ende des Buches gleichen sich. Dazwischen viel Leben, ein ständiges Auf und Ab, ein Ringen um eine anständige Existenz.
Im Gespräch zwischen den Autoren wird deutlich, dass es vor allem die Vielseitigkeit und die künstlerische Autonomie ist, um die sie beide ringen. Gerade dies macht ihre Romane so interessant. Mit diesem Format, das auf ein sehr interessiertes Publikum getroffen ist, öffnen sich neue Türen.

MARTINA KRAMER