Fränkische Landeszeitung vom 21.05.2024
Der Bestsellerautor kocht gern. Martin Walker stellte in der Ansbacher Feuerbach Akademie seinen neuen Bruno-Krimi vor
ANSBACH - "Wie kommt es, dass ein britischer Autor in seinen Romanen mehr Sympathie für seine französischen Figuren als für seine englischen erkennen lässt?" Dies wollte Bettina Baumann bei der Lesung der Reihe Blickwinkel 360° in der Ansbacher Feuerbachakademie von Martin Walker wissen. "Weil ich ein Schotte bin", entgegnete dieser.
Und dieses Schottenherz schlägt schon lange für eine der schönsten Regionen Frankreichs: dem Périgord noir. Das will was heißen, denn er ist viel in der Welt herumgekommen und arbeitete 25 Jahre für die britische Tageszeitung The Guardian.
Nun hat Walker seinen bereits 16. Krimi mit dem sympathischen Ermittler Bruno geschrieben, den er am Samstagabend vielen Interessierten vorstellte. Die Feuerbach Akademie habe es sich auf die Fahnen geschrieben, juristische Themen mit Literatur zu verbinden, erläuterte Initiator Dr. Malte Schwertmann. Diese Reihe startete im vergangenen Jahr.
Der Ex-Kripo-Chef als deutsche Stimme
Weil es sich bei Walkers Buch um einen Krimi handelt, war die Besetzung von Hermann Lennert als deutsche Stimme der Lesung ein idealer Schachzug: Von 2005 bis 2019 leitete er die Ansbacher Kriminalpolizei und genießt nun seinen Ruhestand. „Ich liebe Bruno", gestand er. „Weil er im positiven Sinne normal ist. Ganz im Gegensatz zu den vielen durchgeknallten Kommissaren in den TV-Krimis. Die hätte ich wohl in den meisten Fällen gefeuert."
Die 16. Episode dieser Krimireihe spielt in einem mittelalterlichen Schloss, das liebevoll restauriert worden ist. "Im Chateau" beginnt allerdings im malerischen Sarlat, der Hauptstadt des Périgord noir, mit einem Historienspektakel, das auf dem großen Marktplatz aufgeführt wird. Sehr lebhaft beschreibt Walker das bunte Treiben, bis es zu einem ernsten Zwischenfall kommt.
Ausgerechnet die Hauptfigur, die den großen Feldherrn Bertrand de Guesclin (1320-1380) verkörpert, liegt plötzlich in einer Blutlache am Boden. "Ich glaube nicht, dass das hier im Skript steht", erkennt Bruno fachmännisch. Und damit nimmt ein komplizierter Ermittlungsfall um einen nicht wirklich Toten seinen Lauf.
Das Historienspiel in Sarlat ist frei erfunden und orientiert sich an der Schlacht bei Castillon (1453) westlich von Bergerac. Auch den Namen Saint Denis als Brunos Heimatdorf wird man in der Region vergeblich suchen. Dahinter verbirgt sich die rund 2000 Seelen zählenden Gemeinde Le Bugue, wo Martin Walker viel Zeit in seinem eigenen Haus verbringt.
Diese Erfahrungen fließen direkt in seine Bücher ein, die Liebe zur Landschaft, den Menschen dort, der guten Küche und den hervorragenden Weinen. Bruno liebt es, zu kochen und so finden sich in den Krimis auch immer Rezepte, die zum Nachahmen animieren. „Ich habe jedes dieser Gerichte selbst ausprobiert, bevor ich es in meine Bücher integriere", erklärt Walker.
Überhaupt ist Bruno eigentlich ein Genussmensch. Neben seinem Job als überraschend weltgewandter Dorfpolizist zeigt er sich als wahrer Menschenfreund, der bestens mit seiner Umgebung vernetzt ist. Er liebt Natur und Kinder gleichermaßen, auch wenn sich die Suche nach der idealen Frau noch zieht.
Auch dafür hat er ja Balzac, seinen Basset, wie sein Schöpfer im wahren Leben. Überhaupt steckt viel Martin Walker in dieser liebenswerten Figur.
MARTINA KRAMER