Fränkische Landeszeitung, 1./2. Juli 2006

Ansbacher Feuerbach Akademie widmete einen Abend den fränkisch-bayerischen Feuerbachs:

Ein Jurist, ein Philosoph und ein Maler. Buch aus dem Schrenk-Verlag (Gunzenhausen) vorgestellt - Geschichten hinter der Geschichte 

ANSBACH (sh) - Sie nennt sich Feuerbach Akademie, hat ihren Sitz in Ansbach und sie will Menschen zusammenführen. Da lag es nahe, sich öffentlich mit dem Namensgeber und seinem Umfeld zu beschäftigen. Der geeignete Anlass fand sich mit dem neuen Buch „Die Feuerbachs -Eine deutsche Familie im 19. Jahrhundert". Eine Schrift, die für Ansbach in jedem Fall wichtig ist, wie Oberbürgermeister Ralf Felber bei der Vorstellung anmerkte. Folglich ließ sich auch Regierungspräsident Karl Inhofer aus erster Hand in das Werk einführen.

Feuerbachs zählen zu den großen Familien-Dynastien des 19. Jahrhunderts. Professor Dr. Hermann Glaser schreibt dazu in der Einleitung des Buches: „Am berühmtesten ist der Philosoph Ludwig Feuerbach, der vor allem in religiösen Kreisen als Materiallist (der Mensch ist, was er isst) und als Atheist (der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde) berüchtigt war. Und: Sein Werk hatte große Auswirkungen auf Karl Marx. Die Bilder des Malers Anselm Feuerbach, etwa seine „Iphigenie" („das Land der Griechen mit der Seele suchen"), hingen als Abdruck in vielen Wohnzimmern. Unschärfer dürfte das Profil des Stammvaters der Familie sein: des Juristen Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach."

Die Familie lebte und wirkte weitgehend im Fränkischen. Ansbach und seine Umgebung spielten eine Rolle: So wirkte Anselm Ritter von Feuerbach (1775-1833) in der Markgrafenstadt. Er entwarf ein Strafgesetzbuch für Bayern und „gilt seitdem als Begründer des modernen deutschen Strafrechts“, so Glaser.

 

Der Jurist beschäftigte sich darüber hinaus mit Kaspar Hauser. Und dies bindet ihn noch enger an Ansbach. OB Ralf Felber wies in seinem launigen Grußwort ausdrücklich darauf hin. 

An der Ansbacher Schriftstellerin Angela Baumann lag es, das kleine Büchlein aus dem Schrenk-Verlag (Gunzenhausen) vorzustellen. Sie entledigte sich diesem Auftrag, ohne allzu viel vom Inhalt zu verraten. Ihr Wunsch: vor allem interessierte Laien sollen das Werk kaufen und lesen. Bibliotheken und Hochschulen würden es sowieso anschaffen.

Zuvor hatte Professor Glaser im Gespräch mit Baumann betont, dass es sich bei dem Buch nicht nur um eine Erzählung über eine bedeutende Familie handele. Mit behandelt und erzählerisch mitvermittelt wird auch die Geistes- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. So manches davon wirkt und setzt sich bis heute fort. Verleger Dr. Johann Schrenk sprach denn auch von einem „höchst modernen Buch".

Leidenschaftliche Frauen

Den Feuerbachs und ihren Frauen haben die drei Herausgeber - neben Glaser sind dies Rainer Lindenmann und Max Ackermann - ein eigenes Kapitel gewidmet. Einher geht dies mit einem „Salongespräch", dass der Bayerische Rundfunk (Studio Franken) Mitte Juni ausstrahlte. Eine CD dieser Sendung ist dem Buch beigelegt.

Überhaupt diese Frauen. Glaser fühlt sich von ihnen sehr angesprochen. Und Baumann bekannte, dass die leidenschaftlichen Feuerbäche auf ebenso leidenschaftliche Frauen getroffen seien. Diese Geschichten hinter der Geschichte hinterlassen einen starken Eindruck. Dabei findet sich vieles, und vieles Moderne; berichtet wird vom Leben als Mutter, Haus- und Ehefrau, Intrigantin oder Sehnsüchtige, Managerin, Chronistin oder Muse.